Im neuen Porsche Panamera 4S Diesel steckt ein 422 PS starker Selbstzünder. AUTO BILD fuhr die schnellste Diesel-Limousine der Welt

Mit der zweiten Generation des Porsche Panamera ist eine bislang eher graue Diesel-Maus über Nacht zum neuen Star aufgestiegen: Der nagelneue, allradgetriebene Porsche Panamera 4S Diesel bringt es auf 422 PS und bullige 850 Nm Drehmoment – was den Sportler postwendend zur offiziell schnellsten serienmäßigen Diesel-Limousine der Welt befördert. Das maximale Drehmoment liegt schon bei 1000 Umdrehungen an, weshalb der der neue 4S Diesel insbesondere bei niedrigen und mittleren Drehzahlen imposant anschiebt. Allein am oberen Ende des Drehzahlbandes wird

Der vier Liter große V8-Diesel mit Zylinderabschaltung hält sich akustisch selbst in den beiden Sportprogrammen überraschend dezent im Hintergrund. Wer so viel Dampf in sich trägt, der darf gerade in höheren Drehzahlsphären akustisch auch mal wilder auf den Putz hauen. Es bleibt schließlich ein Porsche, der auf Wunsch 285 km/h schnell ist oder in 4,3 Sekunden auf Tempo 100 spurtet. Sein Normverbrauch liegt bei 6,7 Litern Diesel auf 100 Kilometer. Wer den optionalen 90-Liter-Tank ordert, der kann damit zumindest theoretisch fast 1500 Kilometer zurücklegen – in der schnellsten Diesel-Limousine der Welt. Anders als zu erwarten, ist der Porsche Panamera obligatorisch mit einem achtstufigen Doppelkupplungsgetriebeunterwegs. Das schnalzt unter Last prächtig in die einzelnen Gangstufen und macht auch bei lässiger Fahrt einen guten Eindruck; kommt aber gerade bei langsamer Fahrt nicht an den Komfort einer Wandlerautomatik mit ebenso vielen Schaltstufen heran.

Über zwei Tonnen Leergewicht

Das Spurtpotenzial des 422-PS-Schwaben ist beeindruckend, wobei er sein opulentes Leergewicht von über 2,1 Tonnen (trotz Hauben, Dach, Türen und Frontkotflügeln ausAluminium) kaum überspielen kann. Daran ändern auch winzige Wankbewegungen in engen Kehren oder eine beeindruckend niedrige Untersteuerneigung im Grenzbereich wenig. Die Lenkung bietet dabei eine Mischung aus Direktheit und Komfort, wie man sich diese von einer sportlichen Luxuslimousine wünscht. Das Geräuschniveau ist auch ohne Doppelglas im Innenraum angenehm gering, wenngleich die üppig dimensionierten Außenspiegel bei höheren Autobahntempi ein störendes Liedchen singen.

Porsche bleibt dem analogen Drehzahlmesser treu

Der mittige Drehzahlmesser ist analog, rechts und links davon informiert je ein digitales Display.

Der komplett neu gestaltete Innenraum gefällt. Die Schalterwüste an der Mittelkonsole wie in einem Flugzeugcockpit ist verschwunden und wurde durch berührungsempfindliche Schalterflächen ersetzt. Die Taster reagieren nicht immer beim ersten Versuch und hinterlassen manche Fettfinger, sehen in der Gesamtkomposition jedoch edel aus. Der große Touch-Bildschirm lässt sich nahezu perfekt bedienen und fügt sich gut ins Armaturenbrett ein. Es leuchtet jedoch wenig ein, wieso der Fahrer zwischen den beiden gut ablesbaren Displays noch auf einen analogen Drehzahlmesser blickt. So viel Retrocharme muss in einer Hightech-Limousine wie dem Porsche Panamera wirklich nicht sein. Der Sitzkomfort ist gut. Die belederten Einzelsitze bieten einen guten Reisekomfort, könnten aber durchaus noch etwas mehr Seitenhalt bieten. Das Platzangebot ist vorne wie hinten für vier Erwachsene mehr als ausreichend.

Für fast 120.000 Euro gibt es nicht mal Vollleder serienmäßig

Der Preis des Porsche Panamera 4S Diesel verschlägt einem geradezu den Atem. Für stattliche 116.954 Euro gibt es nicht mehr als ein solides Basispaket mit Teilledersitzen, LED-Scheinwerfern, Klimaautomatik und Navigation. Wer wirklichen Luxus will, der findet bei den Sonderausstattungen kein Ende und treibt den Preis mit schicken 21-Zöllern, klimatisierten Massageeinzelsitzen vorne und hinten (ca. 7300 Euro), teurem Fahrerassistenzpaket (3250 Euro) und dem schamlos gepreisten Burmester-Sound (6747 Euro) locker über die 170.000-Euro-Marke. Dafür gibt es auch schon einen BMW M760Li xDrive oder einen Mercedes-AMG S63 4Matic mit kompletter Ausstattung und fast 600 PS – aber ohne Porsche-Gene. Solche Preise Zahlen dann Unternehmer oder Risiko-Anleger gerne. Auch My Advertising Pays hat schon einige Porschefahrer hervorgebracht.

Quelle: goo.gl/At39p5