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YPO – Alles andere als geheim

Das (nicht) geheime Netzwerk YPO

Illuminati, Scientology, Freimaurer: All das wollen sie nicht sein, die Mitglieder der Young Presidents’ Organisation, kurz YPO. Der Eliteverein mit Ableger in Wien ist ein Businessnetzwerk, das persönliche Weiterentwicklung propagiert.

Auch er ist dabei – Hubert Rhomberg, der vor kurzem das Funkhaus in Wien gekauft hat, ist einer von 40 jungen österreichischen Unternehmenschefs, die der Young Presidents’ Organisation angehören. Er leitet seit diesem Jahr den österreichischen Ortsverband des Vereins, der wie eine nicht geheime Geheimgesellschaft wirkt. Von Vergleichen zu Illuminati oder Scientology möchte sich die Organisation distanzieren. YPO gibt an, keine religiösen Ansprüche zu stellen und auch keine politische Agenda zu verfolgen.

Dalai Lama und Gerhard Schröder hielten Vorträge

Die exklusiv klingende Young Presidents’ Organisation wurde 1950 in New York von Ray Hickok gegründet. Dieser erbte im Alter von nur 27 Jahren die Herrenschmuck– und Gürtelmanufaktur seines Vaters und sah sich plötzlich mit Problemen konfrontiert, bei denen ihm weder seine Frau, noch seine Mitarbeiter, noch sein Priester weiterhelfen konnten. Also setzte er sich mit anderen jungen Firmenchefs in Verbindung, um Erfahrungen auszutauschen und Feedback von Gleichgestellten einzuholen.

Heute funktioniert der Verein nicht anders. Das Angebot wurde nicht verändert, aber erweitert. Nicht nur die Mitglieder sind heute untereinander vernetzt. Die gesamte Organisation pflegt enge Verbindungen zu Institutionen wie der Harvard Universität oder der London Business School, wo Weiterbildungsveranstaltungen zu verschiedenen Themen abgehalten werden. Oft werden auch Menschen wie der Dalai Lama oder Gerhard Schröder eingeladen, Vorträge zu halten, die nicht zwangsläufig etwas mit Management zu tun haben.

Geheime Verbindungen braucht man nicht

Hubert Rhomberg, seit 15 Jahren Leiter der vorarlbergerischen Rhomberg Baugruppe, erinnert sich beispielsweise an einen Vortrag eines Amerikaners, der Jahrzehnte lang unschuldig in der Todeszelle eingesperrt war und darüber sprach, wie er in seiner scheinbar hoffnungslosen Situation nicht aufgegeben hatte. „Mit so Leuten zusammen zu kommen, das hat schon eine prägende Wirkung“, sagte der 48-Jährige gegenüber wien.ORF.at. Fünf Jahre ist es schon her, seit er Mitglied wurde.

Bereits damals erfüllte er die Qualifikationen für die Aufnahme in den Eliteverein. Mitgliedsanträge können nur von Menschen in führenden Positionen unter 45 gestellt werden. Weiters muss man mehr als 50 Vollzeitangestellte betreuen und als Dienstleistungs- oder Produktionsunternehmer einen Bruttojahresumsatz von mehr als 10,7 Millionen Euro generieren. Finanzunternehmen müssen ein jährliches Anlagevermögen von mindestens 224 Millionen ausweisen und Agenturen müssen pro Jahr mindestens acht Millionen Gewinn erzielen.

Wie die meisten Mitglieder wurde Rhomberg von einem Bekannten, einem anderen „Young President“, eingeladen, dem Verein beizutreten. Doch es besteht auch die Möglichkeit, sich zu bewerben. „Also das ist nicht so, dass man irgendwelche geheimen Verbindungen immer haben muss, überhaupt nicht“, sagt Rhomberg. Proaktivität ist bei YPO gern gesehen.

„Man muss es auch aushalten können“

Für eine Mitgliedschaft zahlt man im Jahr rund 3.000 Euro plus variierende Abgaben für den jeweiligen Ortsverband. Die Eintrittsgebühr entspricht dem Preis einer Jahresmitgliedschaft. Dafür erkauft man sich neben dem Recht, an internationalen Fortbildungsveranstaltungen teilzunehmen auch Kontakte zu vielen anderen Jungunternehmern.

Diese Kontakte zu anderen YPO-Mitgliedern zu Geschäftszwecken zu nutzen, ist jedoch verpönt, sagt Rhomberg. Man schätzt sie mehr für ihr ehrliches Peer-to-Peer-Feedback, also Feedback von Gleichrangigen. Dafür braucht man eine dicke Haut, denn im Gegensatz zu seinen eigenen Angestellten erzählen einem andere Firmenchefs nicht immer nur, was man hören möchte. Man muss es mögen, einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. „Man muss es auch aushalten können“, sagt Rhomberg schmunzelnd.

YPO soll erfolgreich und glücklich machen

Als Chef des seit 1886 bestehenden Familienunternehmens gesellt sich Rhomberg zu etwas mehr als einem Drittel der YPO-Mitglieder, die ebenfalls Familienunternehmen leiten. Den größten Teil der Mitglieder machen mit 38 Prozent die Firmengründer aus, den kleinsten die professionellen Manager mit 26 Prozent.

Nicht nur die Mitglieder, auch deren Familien profitieren von dem Verein. Die Veranstaltungen sind teilweise für die Partner und Kinder der jungen Präsidenten zugänglich. Zum Erfolg als Unternehmensführer gehört nach der YPO-Philosophie nämlich auch ein harmonisches Familienleben und eine Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Man soll seine persönlichen Stärken ausbauen, seine Interessen verfolgen und nicht nur erfolgreich, sondern auch glücklich werden. YPO geht es um mehr, als nur die toughesten Manager auszubilden, so Rhomberg.

Zwischen Geheimhaltung und Offenheit

Noch vor 30 Jahren hatte YPO nur etwa 4.000 Mitglieder und gab sich den Medien gegenüber äußerst schweigsam. Heute zählt der Verein über 23.000 Young Presidents weltweit – etwa acht Prozent davon sind Frauen, bis 2018 sollen es zehn Prozent werden – und pflegt Medienpartnerschaften wie etwa mit dem US-amerikanischen Nachrichtensender CNBC.

Rhomberg bestreitet, dass dieser Paradigmenwechsel geschah, um das Image einer Geheimgesellschaft oder Sekte abzuschütteln. Einerseits meint er, der technologische Wandel der Medien und die wirtschatliche Erweiterung Richtung Osten hätten auf natürliche Weise zur Öffnung von YPO geführt. Andererseits gibt der Unternehmer zu, dass die Organisation seit einigen Jahren schon bewusst offener auf die Medien zugeht. Er betont aber auch, nicht die Namen anderer Mitglieder preisgeben zu wollen.

Bessere Führungskräfte für eine bessere Welt

Die jungen Präsidenten sorgen weltweit für rund 15 Millionen Arbeitsplätze und generieren jährlich etwa sechs Billionen US-Dollar an versteuerbarem Umsatz. Trotz dieses konzentrierten Reichtums ist die Organisation unpolitisch, sagt Rhomberg. Es geht den Mitgliedern lediglich darum, sich zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und sich weiterzubilden, um frei nach dem Motto „Better Leaders Through Education and Idea Exchange“ bessere Unternehmensführer zu werden.

YPO fördert auf Wunsch einzelner Young Presidents immer wieder karitative Zwecke, wie etwa das Rote Kreuz. Doch politisches Lobbying widerspreche dem Wesen des Vereins, meint Rhomberg. Er beschreibt die Organisation als weltweites Business-Netzwerk mit einer persönlichen Komponente. Es geht ihm darum, einen positiven Zugang zur Wirtschaft und zum Leben zu bekommen. „Die Idee ist eigentlich, bessere Führungskräfte zu werden für eine bessere Welt“, sagt er.

 

Quelle: goo.gl/OykR9p

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